Die Abteilung Leichtathletik zählt 1998 gut 150 Mitglieder. Davon sind etwa 2/3 Kinder und Jugendliche im Alter von 6-18 Jahren. Während des Sommerhalbjahres steht ihnen das Sportzentrum Martinsee mit seinen vielfältigen Trainingsmög- lichkeiten zur Verfügung. Hier kann je nach Interessenlage bis zu drei mal in der Woche trainiert werden. Im Winterhalbjahr verteilt sich der Nach-wuchs auf Schulturnhallen sowie die Vereinsturn-halle in der Jahnstraße. Hier stand die Wiege der Leichtathleten, welche um 1969 mit ihrem ersten Abteilungsleiter Heinz Sahm von der Turnabteilung in die Selbständigkeit entlassen wurde.

Verglichen mit den heutigen Verhältnissen waren die damaligen Trainingsbedingungen recht bescheiden. Im Sommerhalbjahr betätigte man sich sportlich im Turngarten. Neben der Spielwiese wurde fleißig Schleuderball geübt. Da man außer Fritz Stuiber noch weitere 50m Werfer aufweisen konnte, kam es trotz eines hohen Begrenzungszaunes immer wieder zu Einschlägen auf die angrenzenden Grundstücke, was häufig Diskussionen mit den Nachbarn nach sich zog, zumal man bedauerlicher Weise auch beim anschließendem Fußballspiel erhebliche Streuungen in der Flugbahn des Balles beobachten konnte. Leichtathleten sind eben keine Fußballer. Auch das Lauftraining hatte seine Tücken, denn bei feuchter Witterung lief man auf der 100m Aschenbahn wie auf Schmierseife. Schließlich verhalf uns der damalige Bürgermeister Hemberger relativ schnell und unbürokratisch zu etlichen Metern Kunststofflauf-bahn, welche natürlich in Eigenhilfe verlegt wurde. Somit besaßen wir in Heusenstamm eine der ersten Kunststoffbahnen der Region. Die Enge der Trainingsstätte zwang uns sowohl im Sommer- als auch im Winterhalbjahr einen Großteil des Lauftrainings, vor allem die langen Sprints, auf der angrenzenden Schloßallee durchzuführen. Die Wälder in Richtung Tempelsee und Bieber eigneten sich vorzüglich zum Ausdauertraining, waren doch alle Wege relativ naturbelassen und nicht asphaltiert. In der Turnhalle praktizierten wir vor allem Kraft- und Schnellkraftübungen sowie das beliebte Korbballspiel. Für das Techniktraining stand uns im Winter noch die Turnhalle der Realschule zur Verfügung. Der erste Trainer, Herr Kolaric, kam zu jedem Training extra aus Frankfurt mit öffentlichen Verkehrsmitteln angereist. Anfang der siebziger Jahre folgte ihm Willi Fornauf, welcher von Wulf Schützeberg zu Beginn der neunziger Jahre abgelöst wurde.

Auf sportlichem Sektor konnte man bereits in der Gründungsphase auch überregional auf sich aufmerksam machen. Die Mehrkampfmannschaft der Männer hinterließ auf dem traditionellen Wingerts-berg Sportfest häufig positive Schlagzeilen, indem sie trotz stärkster Konkurrenz insgesamt siebenmal den heißbegehrten “Elefantenzahn” gewinnen konnte. Die häufigsten Mitstreiter waren: Norbert Butz, Matthias Eck, Franz Kaiser, Holger Kohagen, Dieter Machholdt, Michael May, Rainer Pawlik, Winfried Scholz, Joachim Weitzel, Hans Wiegand sowie Werner Benesch (t).

Ende der sechziger Jahre wagten sich zum ersten Mal mit Waltraud Hock (t) und Winfried Scholz zwei Sportler auf Wettkämpfe des Deutschen Leichtathle-tikverbandes. Sie konnten sich in den folgenden Jahren wiederholt für Endläufe der Hessischen Meisterschaften im 100m und 200m Sprint qualifizieren und stießen auch in die Deutsche Rangliste vor. Mit 25,4sec über 200m (Hock) und 10,8sec über 100m (Scholz) stehen Bestzeiten, welche bis zum heutigen Tag im Verein nicht übertroffen werden konnten.

Im Jahr 1971 war erstmals in der Jugendklasse Elke Lisk äußerst erfolgreich, als sie im leichtathletischen Vierkampf des Turnverbandes die Deutsche Meister-schaft errang. In den folgenden Jahren konnte sie diesen Titel in Stadthagen und auf dem Deutschen Turnfest in Stuttgart verteidigen. Waltraud Hock stand bei den Frauen im leichtathletischen Dreikampf 1971 in Osnabrück und 1974 in Nörd-   lingen als Deutsche Meisterin auf der Siegertreppe.

Auf DLV-Ebene glänzte vor allem Lydia Mahr, deren eigentliche Stärke der Hürdenlauf war. Im Jahr 1974 holte sie den Hessentitel im Weitsprung der Frauen mit 5,70m nach Heusenstamm. Noch im gleichen Jahr schraubte sie ihre Bestleistung beim nationalen Sportfest in Aschaffenburg auf 5,95m. Der Schüler-nachwuchs beeindruckte durch Barbara Becker,   welche im Weitsprung mit 5,04m und im 100m Sprint (12,6sec) um den Hessentitel kämpfte. Bei der Jugend erreichte Sigrid Rebell die Qualifikation für die Deutschen Hallenmeisterschaften im Sprint.

Durch die Stärke der Leichtathletikmannschaft bei den Frauen und Männern entwickelte sich die Idee, mit den noch erfolgreicheren Turnerinnen und Turnern eine gemeinsame Mannschaft zu schmieden, um an den Deutschen Turnvereinsmeisterschaften teilzunehmen. Man verbesserte hierdurch nicht nur den Kontakt und die Kameradschaft zwischen den beiden Abteilungen, sondern erzielte auch eine Reihe von beachtlichen Erfolgen. Mehr als nur einmal mußten sich Großvereine wie TK Hannover oder OSC Berlin der Heusenstammer Mannschaft geschlagen geben. Nach dem Gewinn des Vizemeistertitels 1976 in Nördlingen konnte man noch etliche Male 3. Plätze wie in Biberach, Hannover, Remscheid, Waiblingen und Schweinfurt erkämpfen.

Zum ersten Mal fand im Jahre 1977 mit 22 Jugendlichen auf der Anlage Ronneburg ein 7-tägiges Trainingslager statt, welches mit Begeisterung aufgenommen wurde. Jahre später folgten ähnliche Besuche in Fulda und Miltenberg. Der Nachwuchs dankte dies, indem er durch glänzende Erfolge aufhorchen ließ. Noch als B-Jugendlicher erkämpfte sich Heiko Buß 1979 beim Deutschen Turnfest in Hannover den Vizetitel im leichtathletischen Vier-kampf. Kurze Zeit später drang er im 110m Hürdensprint mit 14,7sec in die hessische Elite vor und gewann den Titel. In späteren Jahren glänzte er als Süddeutscher Meister und Finalist bei Deutschen Meisterschaften, allerdings nun für einen benachbarten Großverein startend. Mit Linda Kraus begann für einige Jahre ein neuer Stern am Sprinterhimmel zu leuchten. Ihre bis heute unerreichten Zeiten über 100m in 11,7sec sowie über 60m (Halle) in 7,6sec verschafften ihr den hessischen Juniorentitel sowie weitere hessische Vizemeisterschaften. Der 7. Platz bei den Süddeutschen Meisterschaften 1977 über 100m rundeten ihr außergewöhnliches Leistungsbild ab.

Nachdem die Männermannschaft 1977 zum ersten Mal als Feldbergfestsieger das berühmte Völsungs-horn gewonnen hatte, glänzte die Jugend 1985 ebenfalls durch einen Mannschaftssieg. Anfang der achtziger Jahre wurde das Sportzentrum Martinsee fertiggestellt. Dies führte zu einer deutlichen Verbesserung der Trainingsbedingungen. Mit Walter Seybert als Initiator bot man alljährlich im August eines jeden Jahres mit dem Läufertag ein national bekanntes Sportfest an. Selbst Weltmeisterschaftsteilnehmer fanden den Weg nach Heusenstamm.

Bis 1981 trug Heinz Sahm im Vorstand und im Jugendtraining maßgeblich Verantwortung. Danach wurde er von Winfried Scholz abgelöst. In den Folgejahren glänzte man auf breiter Basis durch eine Vielzahl von Titeln auf Kreis- und Bezirksebene.

Im Jahr 1988 organisierte Hans Matischak (t) im Rahmen der Hessischen Sportjugend den Simultan-austausch mit japanischen Sportlern, welcher bei den jugendlichen Leichtathleten unvergessliche Ein-drücke hinterließ. Nach einer schöpferischen Veranstaltungspause begann man 1991 mit der Planung eines Sportfestes unter neuer Konzeption. So wird seit 1992 alljährlich zu Fronleichnam die Nationale Bahneröffnung angeboten. Durch die Vielfalt an Disziplinen und den hohen technischen und organisatorischen Standard geben sich in immer stärkerem Maße auch internationale Sportler ihr Stelldichein.

Zu dieser Zeit stießen mit Nils Wendt (Hochsprung 1,90m), Wolfgang Dühmert (Stab 4,30m) und Bianca Peutl als Stabhochspringerin (3. der Hessenmeisterschaften mit 2,60m in 1994) besonders junge Sportler in die Spitze vor.

Mit Lars Klingenberg und Markus Brus besitzen wir augenblicklich zwei Topathleten auf der 200m und 400m Sprintstrecke. Im Jahr 1996 wurde Lars Klingenberg über 400m der Männer Hessenmeister, Markus Brus folgte ihm auf dem 2. Platz mit ebenfalls hervorragenden 48,86sec. Als 5. der Süddeutschen Meisterschaften schraubte Lars seine Bestzeit auf 47,93sec. Darüber hinaus ist er Deutscher Meister und Vizemeister der Senioren (M30) über 400m bzw. 200m. Bei den Frauen unterstrich Monika Henning ihre langjährige Klasse durch den Gewinn des hessischen Seniorinnentitels 1997 im Weitsprung (5,25m) sowie des Vizetitels im Hochsprung (1,56m).

Zur Pflege von Geselligkeit und Kameradschaft organisierten wir in den letzten Jahren mit befreundeten Vereinen das allseits beliebte Trainingslager zur Osterzeit nach Viareggio und San Benedetto. Unser traditionelles Frühjahrsfest, die Vereinsmeisterschaften mit anschließender Grillparty sowie eine gemütliche Jahresabschlussfeier sollen garantieren, dass nicht allein sportliche Leistungen im Vordergrund der Vereinsarbeit stehen.

Nachdem wir von Leichtathletikkameraden in Tonbridge 1997 zu ihrem Jubiläumssportfest eingeladen worden waren und überaus gastfreundlich empfangen wurden, hoffen wir, dass diese möglichst zahlreich anlässlich der kommenden Nationalen Bahn-eröffnung unserer Einladung folgen werden.

Für die weitere Zukunft wünschen wir uns, daß die Quelle, aus welcher immer neuer Nachwuchs entspringt, nicht allzu schnell versiegen wird und wir mit dem Engagement der Trainer und des Vorstandes weiterhin junge Menschen für die Leichtathletik begeistern können. Eine Fertigstellung des Klein-spiel- und Sportfeldes in Martinsee würde uns bei der Bewältigung dieser Aufgabe sicherlich helfen.

Vorstand der Abteilung Leichtathletik

-Winfried Scholz-