Eine Stadt im Grünen

Ein historischer Streifzug

Sie ist wahrlich ein Schmuckstück, die Pfarrkirche St. Cäcilia, die Heusenstamm weit über die Grenzen des Kreises Offenbach hinaus bekannt gemacht hat. Schließlich wird das katholische Gotteshaus nicht umsonst als das Schönste seiner Art in Hessen bezeichnet. Der Architekt des barocken Prachtbaus ging in die Geschichte ein: Johann Balthasar Neumann (1687-1753) fertigte auch die Pläne für die Würzburger Residenz der Grafen von Schönborn. Und es ist eben diesem Adelsgeschlecht zu verdanken, wenn Heusenstamm heute in einem Atemzug mit den kunst- und kulturgeschichtlich so bedeutenden Städten Bamberg, Bruchsal und Würzburg genannt werden kann. Heusenstamm, das in einer Urkunde aus dem Jahre 1211 erstmals erwähnt wird, kann auf eine bewegte Geschichte zurückblicken. Anno 1580 wurden in dem Dorf der Herren von Heusenstamm 240 Einwohner gezählt. Wie überall in deutschen Landen hinterließ der Dreißigjährige Krieg (1618-1648) auch in Heusenstamm tiefe Wunden. Mit den durchziehenden Soldaten kamen der Schwarze Tod, die Pest, und eine große Hungersnot, die das Land entvölkerte. Als die Grafen von Heusenstamm ihren Besitz 1661 an die Herren von Schönborn verkauften, dürfte der Ort einen wenig schönen Anblick geboten haben. Doch das änderte sich schon bald...

Unter der Herrschaft Philipp Erweins, eines besonders bauwütigen Sprosses derer von Schönborn, wurde der Grundstein für eine als vierflügelige Anlage geplante Wasserburg gelegt. Es wurde allerdings nur die Vorderfront fertiggestellt. Im Jahre 1739 beauftragte Maria Theresia, die Witwe Anselm Franz von Schönborns, den so bekannten Baumeister Neumann mit der Errichtung einer Pfarr- und Grabeskirche. Zwei Jahre später war der sakrale Bau vollendet.

1764 übernachtete Kaiser Franz I. zusammen mit seinem Sohn Josef im Heusenstammer Schloß der Grafen von Schönborn, die zur Erinnerung an dieses denkwürdige Ereignis den Torbau errichten lassen. Im gleichen Jahr fand in Heusenstamm übrigens die letzte Hinrichtung statt: Der Dieb hatte einem General des Kaisers eine goldene Uhr gestohlen...

Im Jahre 1806 wurde Heusenstamm ein Teil des Fürstentums Isenburg. Der Wiener Kongreß (1815) zog nach dem endgültigen Sieg über Napoleon die europäischen Grenzen neu. 1816 kam das Großherzogtum Hessen in den Besitz des rund 800 Einwohner zählenden Dorfes. Heusenstamm gehörte fortan zum Landgericht Seligenstadt.

Erst im Jahre 1829 wurde mit einem Vertrag zwischen dem Schönbornschen Rentamt und der Großherzoglichen Regierung in Darmstadt die Leibeigenschaft vollkommen aufgehoben: ein historisches Ereignis - ebenso wie die Verleihung der Stadtrechte. Seit dem 26. Mai 1959 darf sich Heusenstamm Stadt nennen. Bereits 1952 hatte die Hessische Landesregierung ein eigenes Gemeinde-wappen für Heusenstamm genehmigt. Dieses zeigt den dreigezackten rot-silbernen Schild der Herren von Heusenstamm und den grünen Eichbaum des Wildbann Dreieich.

Die Gebietsreform 1977 brachte eine nicht unerhebliche Ausweitung des Gemarkungsgebietes. Die bisher selbständige Gemeinde Rembrücken mit ihren damals 2.200 Einwohnern wurde mit Heusenstamm vereinigt. Seither umfaßt die Gemarkung rund 1.900 Hektar Wohngebiete, etwa 300 Hektar Acker- und Weideland sowie mehr als 1.100 Hektar Wald.

“Heusenstamm - eine Stadt im Grünen”: Mit diesem Slogan wirbt die Kommune am Ende des 20. Jahrhunderts um Neubürger und Besucher. Heute empfiehlt sich die einstige Residenz der Grafen von Schönborn als Wohngemeinde an der Peripherie der Großstädte Offenbach und Frankfurt. Freilich haben auch in Heusenstamm Handel, Industrie und Handwerk Einzug gehalten – neue Arbeitsplätze sind entstanden, neue Gewerbebezirke und Baugrundstücke wurden ausgewiesen.

Keine Frage: An der Schwelle zu einem neuen Jahrtausend präsentiert sich Heusenstamm wie so oft in seiner Geschichte als “Stadt im Wandel”.