Der Kämpfer

Die 18. Olympischen Spiele der Neuzeit fanden 1964 in Tokio statt. Der mittlerweile erfolgte Bau der Berliner Mauer hatte zwischen die beiden deutschen Staaten einen tiefen Graben gerissen. Vorbei waren die Zeiten der gesamtdeutschen Sportpolitik. Unge-achtet dessen wurde ein letztes Mal aus Sportlern der Bundesrepublik und der DDR eine Mannschaft gebildet, die gemeinsam unter der schwarz-rot-goldenen Fahne mit den fünf olympischen Rin-gen und der neutralen Beethoven-Hymne “Ode an die Freude” auftrat. Mitglied dieser Mannschaft, die insgesamt 50 Medail-len erringen konnte, war Willi Jaschek. Gleichwohl: Die deutschen Turner gingen in Japan leer aus. Dabeisein war alles...

Auch vier Jahre später in Mexiko war Jaschek mit von der Partie. Und noch zwei weitere Sportler aus den Reihen der TSV reisten über den Atlantik: Heiko Reinemer und Helmut Tepasse. Sie trugen mit dazu bei, daß die deutsche Turnmannschaft auf dem achten Platz landete. Obwohl sich Jaschek bereits am ersten Gerät einen Achillessehnen-Abriß zugezogen hatte, turnte er mit einem Zinkleinvverband am verletzten Fuß und schmerzverzertem Gesicht alle Übungen durch.

Bleibt mit Blick auf die 60er Jahre noch zu erwähnen, daß die Heusenstammer Turner 1965 Deutscher Vereinsmeister wurden, daß Jaschek im gleichen Jahr erstmals die Deutsche Meisterschaft im Olympischen Zwölfkampf gewann, und daß er diesen Erfolg dreimal wiederholen konnte.

Was die TSV-Aktivitäten abseits des Leistungssports anbelangt, so zeichneten sich jene Aufbau- und Aufstiegsjahre auch durch ein reges gesellschaftliches Programm aus: Karnevalssitzungen und Weihnachtsfeiern erfreuten sich großer Beliebtheit. Zum Gelingen derartiger Veranstaltungen trug stets der Spielmannszug bei, der in jenen Tagen noch der Turnabteilung angegliedert war. Die Musiker, deren Geschichte bis zum Kauf einer Trommel im Jahr 1873 zurückreichte, hatten Mitte des Jahres 1949 ihre Aktivitäten wieder aufgenommen. Von großer Bedeutung für den Spielmannszug war ohne Zweifel die Teilnahme von zwölf seiner Mitglieder an der Turn-Weltmeisterschft in Rom 1954. Hans Paul hatte damals die Ehre, vor dem Deutschen Botschafter Clemens von Brentano aufzutreten. Die TSV-Musiker, deren Leitung 1964 Valentin Sattler aus den Händen von Karl Wächtler übernommen hatte, konnten wiederholt Erfolge bei Wettbewerben feiern. 1968 schließlich wurde die Umgestaltung in einen Musikzug abgeschlossen. Äußeres Zeichen war die neue Kleidung: Das Blau-Weiß der Turnerspielleute wurde durch schwarze Hosen und weinrote Jacken ersetzt.

Im Jahre 1969 nutzten bereits mehr als 200 Frauen und Männer die wöchentlichen Gymnastik- und Spielstunden der TSV, um sich körperlich fit zu halten. Seit 1965 lud auch die Jedermann-Gruppe um Friedel Bauer und Heinz Höf zur regelmäßigen “Leibesertüchtigung” in der Freizeit.